Zürcher Oberländer, 16. Mai 2008

Liebe zum Orient erst auf den zweiten Blick. Maya Farner tritt an den Orientwochen auf.

Maya Farner

Maya Farner lebt in Grüt, und ihre Leidenschaft für den Tanz führte sie vom Nil und bis tief in den Süden Ägyptens. Sie unterrichtet orientalischen Tanz und bietet Workshops an für Derwischtanz.

Interview Katharina Bracher

ZO/AvU: Woher stammt Ihre Leidenschaft für den orientalischen Tanz?

Maya Farner: Ich habe auf einem eher atypischen Weg zum orientalischen Tanz gefunden. Ursprünglich habe ich Flamenco getanzt. Wegen Knieproblemen musste ich damit aufhören. Nach einer Operation war klar, dass eine Rückkehr zum Flamenco unmöglich sein würde. Am Anfang jedoch war ich nicht begeistert vom orientalischen Tanz. Es fehlte mir vieles. Darum war es zu Beginn mehr Therapie denn Leidenschaft. Dann aber habe ich die Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten, die dieser Tanz bietet, entdeckt. Es war sozusagen Liebe auf den zweiten Blick.

In Ihrem neuen Stück verkörpern Sie eine Frau, die sich von inneren und äusseren Zwängen befreit und als Symbol für diese Befreiung den Gesichtsschleier und die Galabia ablegt. Finden sich in Ägypten Zuschauer für ein so kontroverses Stück?

In künstlerischen, zeitgenössischen Kreisen Ägyptens kann man das Stück problemlos zeigen, was im Übrigen auch geplant ist. Aber allgemein hat man als Tänzerin in Ägypten einen schweren Stand. Es freut sich zwar jeder, wenn eine Bauchtänzerin an einer Hochzeit auftritt, aber gesellschaftlich hat die Tänzerin einen zweifelhaften Ruf. Meine ägyptischen Freunde jedoch, die sich eher in künstlerischen Kreisen bewegen, kennen meine Art des Tanzes. Sie wissen, dass ich nicht den in Ägypten weit verbreiteten, leider oft billig wirkenden Bauchtanz mache. Wenn ich mich aber in konservativeren Kreisen bewege, verschweige ich oft, dass ich Tänzerin bin.

Sie haben hier in der Schweiz vergleichende Religionswissenschaften und Tanzkultur studiert und bei Lehrern aus dem Orient den Tanz erlernt. Wie verbinden Sie die beiden Kulturen künstlerisch?

Zunächst hat mich das Fremde der orientalischen Kultur so fasziniert, dass ich möglichst viel davon übernehmen wollte und einen Ausgleich gesucht habe zwischen Fremdem und Eigenem. Dieser Ausgleich ist auch beim Aufbau unseres Kulturzentrums in Südägypten eine Herausforderung. Wir wollen in Offenheit und Respekt die unterschiedlichen Aspekte in unser Schaffen integrieren. Meine Art des Tanzes wurde von dieser Erfahrung geprägt. Erst später habe ich mich zurückbesonnen auf meine eigene Identität, auf meine Wurzeln als Europäerin. Ich habe die traditionellen Tänze des Orients mit zeitgenössischen Elementen des westlichen Tanzes verbunden. Im aktuellen Stück haben wir zudem klassische Musik des Westens mit orientalischer Perkussion verbunden. Dabei war es mir wichtig, choreografisch als auch inhaltlich auf eine zeitgenössische Ebene zu gelangen.

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